Wer ist für mein Glück verantwortlich?

Nelli, die kleine Tanzmaus liebte es, sich unter anderen Mäusen zu bewegen und Begegnungen waren für sie immer wertvoll, interessant und spannend. Nelli mochte es sehr, andere Sicht- und Denkweisen kennen zulernen und diese auch zu hinterfragen. Es war ihr sehr wohl bewusst, dass nicht jeder ihre Ansichten und Vorannahmen teilte, denn auch sie teilte nicht immer andere Sichtweisen und darum geht es auch gar nicht.

 

Es begab sich, dass Nelli einen Ausflug in die Stadt unternahm und sich in der Nähe eines Straßencafés an einem Brunnen niederließ. Sie setzte sich an den Rand der kleinen Mauer, lies ihre Füße im Wasser baumeln und streckte ihre Nase der Sonne entgegen. Sie nahm den Wind auf ihrer Haut wahr und genoss diesen Moment. Verträumt beobachtete Nelli die vorbeischlendernden Mäuse und ließ sich ihren Eiskaffee schmecken. Ganz in ihrer Nähe saßen zwei Mäuse, die wohl Freundinnen waren. Die Beiden unterhielten sich so angeregt, dass sie Nelli ihre Aufmerksamkeit darauf lenkte und dem Gespräch lauschte.

 

Mara sagte traurig: “Nie ruft er mich einfach mal so an, immer geht er nur mit seinen Freunden weg und auch dass er mich liebt, hat er mir schon ewig nicht mehr gesagt.“, ihre Freundin nickte nur zustimmend mit dem Kopf, sodass Mara weiter sprach: “Er bekommt es gar nicht mit, wenn es mir schlecht geht und wenn ich ihn darauf anspreche, streitet er immer gleich mit mir. Nie fragt er, was ich möchte, immer geht es nur um ihn!“ – Luci, so hieß die andere der beiden Freundinnen sagte resigniert: „Ach, Mara, so sind die Kerle halt. Es läuft doch immer gleich… am Anfang denkt man, man hat den Traumprinzen und dann? Aus der Traum, geplatzt wie eine Seifenblase!“

 

Nelli kannte diese Sichtweise über Beziehungen auch aus anderen Unterhaltungen, es schoss ihr der Satz durch den Kopf: „Es ist so herrlich einfach zu generalisieren und den Anderen für alles verantwortlich zu machen. Doch wer ist für mein Glück verantwortlich?“ Nelli stand auf, zögerte einen Moment und ging dann lächelnd zu den Beiden hinüber, sie fragte: „Darf ich mich kurz zu euch setzten? Ich habe eure Unterhaltung mitbekommen, was ihr sagt berührt mich und hat mich Nachdenklich werden lassen. “ Nellis offene, ehrliche Art, ihr freundliches Lächeln und vor allem, was sie sagte machte die Beiden neugierig. Sie schauten sich an und luden Nelli ein, sich zu setzen. „Darf ich dir ein paar Fragen stellen, Mara? Du kannst jederzeit sagen, dass ich aufhören soll. Denn schließlich kennst du mich ja überhaupt nicht.“ – da Mara lächelnd nickte, fuhr Nelli fort und es entwickelte sich folgendes Gespräch:

 

„Ruft er dich wirklich niemals an? Und was hält dich davon ab, ihn anzurufen?“ – „Naja, ok, niemals stimmt nicht wirklich, manchmal ruft er mich schon an. Hm und du hast recht ich könnte ihn auch anrufen. Aber was, wenn er gerade keine Zeit hat?“ – „Wenn es ungünstig ist, dann würde er dir das doch sagen, oder nicht?“ – Mara nickte zustimmend. „Geht er immer nur mit seinen Freunden weg? Wirklich niemals mit dir? Und du? Gehst du auch manchmal gerne mit deinen Freundinnen weg?“ – bereits an dieser Stelle konnte sich Mara ein Grinsen nicht unterdrücken – „Ok, natürlich geht er nicht nur mit seinen Freunden weg und auch ich mag es sehr mit meinen Freundinnen unterwegs zu sein. Aber…“ – „Aber was?“, fragte Nelli freundlich lächelnd. – „Wenn ich ihm sage, was ich möchte, dann ist er immer gleich beleidigt.“, stieß Mara hervor – „Weißt du Mara, meist kommt es doch darauf an, wie wir sagen, was wir möchten. Wenn du dich an eine Unterhaltung zurückerinnerst – wie hast du ihm gesagt, was du möchtest?“ – Mara überlegte kurz und sagte: „Naja, ich sage Jens halt… Immer gehst du nur mit deinen Freunden weg und ich sitze hier zu Hause alleine und wenn ich dir sage, dass es mir damit nicht gut geht, dann wirst du immer gleich laut und rennst davon.“ – Nelli, nahm Maras Hand und schaute sie wohlwollend an. – „Mara, stelle dir doch bitte mal kurz vor, du wärst Jens und zu dir wäre dies gesagt worden… wie würdest du reagieren?“ – Mara sagte leise: “Ohje…. Ich glaube ich würde so etwas nicht hören wollen, ich würde mich rechtfertigen wollen und kann verstehen, weshalb er nicht sehr erfreut ist.“ - Nelli fragte Mara: „Darf ich dich noch etwas fragen?“ und da sie wieder nickte, fuhr Nelli fort: „Wann hast du ihm das letzte mal gesagt, dass du ihn liebst?“ Mara senkte den Kopf und sagte traurig: „Ich weiß es nicht…“ Ihr wurde klar, was Nelli ihr mitteilen wollte und auch Luci lauschte ihren Worten sehr genau. Luci sagte nachdenklich: „Aber was können wir tun? Gibt es denn überhaupt Beziehungen, die funktionieren?“ Nelli lachte leise auf und teilte den Beiden ihre Gedanken mit…

 

„Wer, ist für meine innere Ausgeglichenheit zuständig? – Wer bestimmt den Inhalt meiner Gedanken? - Wer leitet meine Gefühle? – Wer bestimmt, worauf ich meine Wahrnehmung richte? - Wer hält mich davon ab, Dinge zu tun oder Dinge auszusprechen, die mich bewegen? – Wer bestimmt, ob es mir gut oder schlecht geht? - Wer bestimmt mein Leben? … Sind es die Anderen oder sind es die Umstände, in denen ich mich bewege? Ist es Zufall oder Schicksal?

 

Ich denke, dass ich es selbst in der Hand habe, wie es mir geht und wie ich mich fühle. Ich bin der Meinung, ich bestimme meine Gedanken und ob ich meine Wahrnehmung auf positives oder negatives richte. – Ich entscheide, ob ich etwas ausspreche oder nicht und somit bin ich selbst dafür verantwortlich. - Ich bestimme meine innere Haltung zu mir selbst und somit auch meine Haltung andern Menschen gegenüber. - Wenn ich etwas möchte, mir etwas von jemand anderem wünsche, dann frage ich mich zuallererst: Bin ich ebenfalls bereit dies zu geben? Wenn die Antwort ja ist, dann sage ich… ich wünsche mir von dir… oder wenn jemand meine Gefühle verletz, dann sage ich… ich fühle mich durch dieses Verhalten verletzt… - also ich teile mit, wie es mir geht, das gibt dem Anderen die Möglichkeit mich zu verstehen und – wenn er möchte – mitzuteilen, wie es ihm geht. – Ich bin dafür verantwortlich, wie mein gesprochenes Wort beim Anderen ankommt… und Luci, ja es gibt Beziehungen die funktionieren…

 

Beziehungen, die mit Respekt und Achtsamkeit, Vertrauen und Leichtigkeit, Geben und Nehmen, Wertschätzung und Ehrlichkeit, Freundschaft und Leidenschaft, Unabhängigkeit und Nähe und noch viel mehr funktionieren… ich glaube fest daran, wichtig ist vor allem die Kommunikation – also wie ich etwas sage und ob es mit meiner Körperwahrnehmung übereinstimmt.

Wenn ich mich selbst annehme, wie ich eben bin, mich selbst respektiere, mir selbst vertraue, mich selbst liebe, mich für mein Handeln, meine Gedanken und Gefühle verantwortlich mache – dann ist es auch anderen Menschen möglich mich zu lieben.

 

Erwarte ich allerdings, dass der Andere für mein Glück – mein Seelenheil – verantwortlich ist, dann wird es schwierig. Nur ich selbst habe es in der Hand, wie ich mich fühle und wenn ich mich gut mit mir fühle, dann können sich auch Andere in meiner Gegenwart wohl fühlen.

 

Nehmt die schönen, wertvollen und kostbaren Augenblicke des Lebens wahr, versucht im „hier und jetzt“ zu leben – die Momente wahrzunehmen, die das Leben schön macht, um diese voll auszukosten, zu genießen… es steckt in euch, so wie es in mir steckt… jeder ist selbst für sein Handeln, seine Gedanken, Gefühle und auch für seine Worte verantwortlich… und es ist besser, sich nicht nach dem „Warum“ zu fragen, sondern viel eher danach „Wie kann ich es verändern, dass es mir gut damit geht. – also was kann ICH tun.“… probiert es doch einfach aus und berichtet mir, was geschieht…“ grinste Nelli.

 

 

Geschrieben von Ellen Brauner